Infektparade

Meine Damen und Herren, wie in den Jahren zuvor findet auch dieses Jahr pünktlich zur Faschingszeit die tradi­tio­nelle, spekta­kuläre und einzig­artige Infektparade bei der Familie H. statt! Hier berichten wir exklusiv für Sie von diesem eindrucks­vollen Spektakel!Familie krank

Dieses Jahr wird der Umzug von unserem Spezialgast Königin Influenza eröffnet! Da kommt sie schon. Was für ein Auftritt, meine Damen und Herren: Influenza zwingt den Papa in die Knie und lässt ihn zittern, wie ein Blatt im Wind. Auch der kleinen Hela winkt sie zu, wirft ihr einige Epilepsie-Bonbons zu und bestreut alles reichlich mit Fieber-Konfetti. Und da sehen wir… Ist das zu glauben, meine Damen und Herren, da kommt tatsächlich auch Keuchhusten. Das Kind wurde zwar geimpft – das Nachbarskind aber nicht — ha, ha, ha! Das nicht geimpfte Kind, steckt das geimpfte Kind an ohne selbst krank zu sein: Was für eine drama­tische Wendung! Trotz der Impfung regnet es glitzernde Hustensalven, die Entzündungswerte gehen ab durch die Decke! Spektakulär!!! Sehen wir da schon das Blaulicht des Krankenwagens, erklingt da schon das melan­cho­lisch-drama­tische Auf und Ab des Martinhorns? Nein, noch nicht? Vielleicht beim nächsten Infekt.

Hinter dem Husten sehen wir den etwas unschein­baren aber dafür richtig langen Umzugswagen der Mittelohrentzündung. Die Mittelohrentzündung ist, wie die Influenza, zum ersten Mal dabei aber vielleicht tragen sie sich auf die Liste der Stammgäste ein, denn die Parade scheint ihnen richtig gut zu gefallen. Sie sind beide sichtlich gerührt von der heftigen Reaktion der Zuschauer und den geladenen Patienten und bleiben auch recht lange mit Ihnen in Kontakt – die Influenza schüttelt auch vielen die Hände und andere Körperteile. Ja, die Infekte fühlen sich bei der diesjäh­rigen Parade sehr wohl.

Wäscheberge bei Magen-Darm

Wenn man mit der Wäsche nicht hinterher kommt, muss man sich überlegen die Wäscheberge dauerhaft in das Hausinterieur zu integrieren. Hier unser Vorschlag Nr. 1: die Wiese

Natürlich dürfen auch die bunten Jecken: Schnupfen und Bronchialhusten nicht fehlen. Sie sind, wie immer, zahlreich erschienen. Phänomenal wie sie sich durch die Menge schlagen! Auch die Neurodermitis hat sich diesmal besonders hübsch geschminkt, vielleicht etwas extra­vagant aber dafür ist sie ja bekannt. Den Umzug schließt tradi­tionell ein Magen-Darm-Virus ab, den auch viele schon gut kennen: Klein, aber oho! Er gibt wirklich alles um das Publikum zum Schluss zu unter­halten! Welch ein Trubel! Was noch nicht vollkommen mit Konfetti und Luftschlangen bedeckt war, verschwindet jetzt unter den vollge­spuckten Wäschebergen und leeren Medikamentenpackungen. Grandios! Einfach nur grandios!

Keine Sorge, meine Damen und Herren, das Reinigungsteam wurde auch dieses Jahr zur Hilfe geholt. Für die Aufräum-, Desinfektions- und Sterilisationsarbeiten wurden gleich mehrere Praktikumsstellen ausge­schrieben. Erschienen sind nur Mama und Papa. Voller Eifer und Engagement geben sie zwei wirklich tolle Praktikanten ab: unbezahlt und überqua­li­fi­ziert, kann man sich mehr wünschen?

Tolle Parade. Lang lebe das Karneval! Helau! Helau! Helau!

Wäscheberge bei Magen-Darm

Vorschlag Nr. 2: Alpenblick

International Angelman Day

International Angelman DayAm 15.02. ist International Angelman Day. An diesem Tag feiern wir nicht das Syndrom,  sondern machen darauf aufmerksam – und auf die Menschen die davon betroffen sind, wie unsere Tochter Hela. Gleichzeitig würdigen wir die Arbeit von so vielen Personen, die sich unermüdlich dafür einsetzten, dass es unseren Kindern besser geht. Sie sind meistens keine einfluss­reichen Besserwisser, sondern eher die Helden des Alltags, die neben der üblichen Verpflichtungen noch Zeit dafür finden, verläss­liche Informationen zum Syndrom zu sammeln und zu verbreiten, neue Studien anzubahnen und durch­zu­führen, Geld für diese zu akqui­rieren und nebenbei noch Fragen von Angelman-Eltern zu beant­worten.

Auf der Seite vom Angelman Verein findet ihr viele Infos zum Syndrom sowie zum Internationalen Angelman Day.

Hier ein Link zu einem tollen Beitrag von Shari Dietz – einer Angelman-Mama, die mir in diesem Text in vielerlei Hinsicht aus der Seele spricht.

Und wer auf lustige Bilder steht, findet sie bei „Typisch Angelman ist…“, auf der Webseite vom Angelman Verein Schweiz.

Fasching — nicht mein Ding!

Ein Rückblick über 3 Jahre Faschingsmisserfolgen

Bevor die Kinder zur Welt gekommen sind, war Karneval eine Option. Ich konnte daran teilnehmen oder auch nicht. Meistens blieb es bei „oder auch nicht“. Seit unser Älterer seine Krippenlaufbahn angetreten ist, gehört Fasching zur Kategorie „Pflichtveranstaltung der beson­deren Art“. Jedes Jahr scheitere ich aufs Neue in puncto Faschingsvorbereitung mehr oder weniger spekta­kulär. Meistens bleibt es bei „mehr“.

Was bei anderen Eltern so ganz mühelos aussieht (lachende Kinder verkleidet als süße Bienchen, kecke Piraten oder perfekt ausge­stattete Feuerwehrmänner UND der leckerste und schönste Kuchen aller Zeiten für den Kita-Fasching gebacken) stellt meine Nerven alljährlich auf eine harte Probe. Bin ich der einzige Fasching-Loser auf diesem Planeten? Vielleicht findet sich unter den LeserInnen noch jemand, der/dem es ähnlich geht… Um mir und vielleicht auch noch anderen Verzweifelten Trost zu spenden, fasse ich hier die Geschichten der letzten 3 Jahren der Karnevalsmissgeschicke zusammen. Habt ihr ähnliche Erfahrungen, nur her damit!

 2016

Der erste Kita-Fasching, den wir als Eltern erleben durften, fand kurz nachdem wir von der Behinderung unserer Tochter erfahren haben, statt. Es war uns nicht nach Karneval zumute. Trotzdem wollte ich nicht, dass unser Sohn als das einzige unver­kleidete Kind in der Krippe aufkreuzt. Nach mehreren Tagen diverser Untersuchungen im Krankenhaus und einigen Tagen der Schockstarre blieb leider nicht mehr viel Zeit übrig, um ein tolles Kostüm zu organi­sieren. Alle Kostüme, die in unserer Gegend erhältlich waren, waren zu groß. Oder auch sündhaft teuer. Zu teuer, wie ich fand, um ein zweijäh­riges Kind für 4 Stunden da rein zu zwängen. Es blieb nichts anderes übrig als zu impro­vi­sieren. In einem Laden des eher günsti­geren

Preissegments entschied ich mich für eine Kopfbedeckung, die wie das Cookie-Monster von der Sesam Straße aussah. Dazu wollte ich das Kind farblich passend anziehen und im Gesicht bemalen. Ich habe hautfreund­liche Gesichtsfarben besorgt und mir mehrere Anleitungsvideos zum Gesichtsschminken angeschaut. Der Plan war gut. Alles sah relativ simpel aus. Es hätte eigentlich funktio­nieren müssen.

Fasching im Kindergarten

Das Faschingskostüm fürs nächste Jahr ist bereits fertig:)

Was ist nicht bedacht habe, war, dass das Gesicht zu bemalen, Arbeit am leben­digen Künstlermaterial bedeutet. Das Gesicht von einem 2-Jährigen zu bemalen, bedeutet Arbeit an einem besonders schwie­rigen leben­digen Künstlermaterial. Deswegen sah es bei uns so aus:

Kurz nachdem ich die ersten Striche gesetzt habe, schreit Emil: „Mama, kalt. Ich will nicht“. Die Farbe lässt sich nicht wie im Video ganz leicht mit einer Pinsel auftragen. Einfacher wäre es, sie mit einem Buttermesser aufs Gesicht zu schmieren, das schließe ich aber aus. Das Kind nimmt die Verweigerungsstellung ein und will weder weiter geschminkt noch abgeschminkt werden. Ich muss impro­vi­sieren. Die gelben Striche werden mit Fingern verschmiert und ich schaffe es unbemerkt noch einige gelben Tupfer aufs Gesicht aufzu­tragen. So kriege ich zumindest eine einheit­liche Farbe im Gesicht von Emil hin: Gelb. Ich schaffe es gerade so, ihn noch dazu zu überreden, die Augenbarauen blau anzumalen. Danach sieht das Kind nicht wirklich gesünder aus. Es bleibt aber keine Zeit mehr fürs Nachbessern. Der Cookie-Monster wird auf den Kopf gesetzt und das Kind zur Krippe gebracht. Ich hoffe, es werden keine Fotos gemacht. Ich hoffe, das Kind wird es später nie erfahren und falls doch, dass es mir verzeihen kann.

Fasching in der Grundschule

Fasching 1991. Mama in dem selbst entwor­fenen Teufelkostüm.

2017

Nächstes Jahr bin ich besser vorbe­reitet. Schon Monate vor dem Fasching besorge ich ein profes­sio­nelles Ritterkostüm und ein Schwert. Im Sommer haben wir eine Ritterburg besucht und lesen seitdem immer wieder über Ritterburgen und Ritter.  Aus Alufolie und einem Gürtel bastle ich die richtige Halterung für das Schwert. Dieses Jahr gehört der Fasching uns! Als ich

Emil am Vortag der Faschingsparty schlafen lege, reden wir noch darüber, wie spannend es morgen in der Kita sein wird und wie toll sein Kostüm ist. Kurz bevor er die Augen zu macht, dreht er sich noch mal um:

Mama, weißt du, ich will lieber kein Ritter sein. Ich will eine Katze sein – wie Shaun das Schaf.“

Aber Shaun das Schaf ist ein Schaf und keine Katze.“ Emil denkt ein wenig nach…

Aber ich will eine Katze sein, Ritter liebe ich nicht“, sagt er dann entschlossen, dreht sich um und schläft ein.

Nach einer Faschingsparty zuhause.

Am nächsten Tag packen wir das Kostüm in den Rucksack und machen uns auf den Weg zur Kita. An der Tür begrüßt uns ein freudiges, buntes Volk – ein Tiger, ein Pirat, Pocahontas, Pipi Langstrumpf und ein Feuerwehrmann – mit Helm auf dem Kopf und einem Feuerlöscher in der Hand.

Mama, ich will kein Ritter sein. Ich will lieber Feuerwehrmann sein!“. Emil bleibt stur. Keins meiner Worte schafft es, ihn dazu bewegen, sein Kostüm anzuziehen. Er steht da, in der Strumpfhose, die ein Teil der Verkleidung war und will Feuerwehrmann sein. Drum herum tobt alles, singt und tanzt. Eine der Erzieherinnen, als Zebra verkleidet, kommt vorbei.

Kein Problem, wenn du dich nicht verkleiden willst, musst du auch nicht. Komm, wir begleiten die Mama zur Tür und schubsen sie raus.“ Emil weint. Ich weiß, dass es diesmal ernst ist. Ich bin ratlos. Ich habe nun mal kein anderes Kostüm für ihn. Das Zebra schubst mich raus, ehe ich überlegen kann, was ich noch tun kann. Hinter der Tür bleibt ein verheulter Emil, verkleidet in die Strumpfhose. Im Auto muss ich heulen. Ich habe als Kostümdesignerin und als Mutter versagt. Jetzt weiß ich, ich hätte das Kostüm zusammen mit ihm aussuchen sollen. Ich weiß, ich hätte mich nicht raus schubsen sollen. Ich weiß, ich hätte bei ihm bleiben sollen. Der blöde Fasching!

Als ich Emil am Nachmittag abhole, ist der Partyglanz etwas verblasst. Die Prinzessinenkronen

hängen verknotet im zerzaustem Haar, der Tiger hat sich ausge­zogen und rennt in einer Jogginghose und T-Shirt herum – es muss ja auch tierisch heiß gewesen sein in dem Ganzkörper-Tigeranzug. Scheinbar war das bei einigen anderen Verkleidungen auch ein Problem, denn viele Kostüme oder Kostümteile fehlen jetzt. Einige Kinder laufen in der Strumpfhose herum. Nur der Feuerwehrmann ist immer noch in der vollen Montur, mit dem Helm auf dem Kopf und dem Feuerlöscher in der Hand. Ich frage Emil, wie es war.

Das war ganz lustig“, sagt er und strahlt mich an. „Es gab Pfannkuchen. Darf ich nächstes Jahr Feuerwehrmann sein?“

Klar mein Kind, alles was du sein möchtest! Wenn es sein muss, werde ich basteln und nähen. Erziehung ist ein Lernprozess. Nächstes Jahr bin ich bereit!

Fasching im Kindergarten

Hela zähmt die Luftschlangen

2018

Anfang Januar fangen wir an über Fasching zu reden. Glücklicherweise hat man sich in Helas Krippengruppe gegen eine Kostümparty entschieden. So bleibt, wie in den Vorjahren nur die Vorbereitung auf den Fasching in Emils Kita. Wir besprechen mit unserem Sohn, als was er verkleidet sein möchte. Zusammen mit ihm und Papa bestellen wir recht­zeitig sein Wunschkostüm: einen Spiderman. Dann rollt die Grippewelle durch unser Zuhause und Emil ist einige Tage nicht in der Kita. Nach der krank­heits­be­dingter Pause entdecke ich an der Info-Tafel im Kindergarten eine Liste mit den von Kindern erwünschten Leckereien, die die Eltern für die Party vorbe­reiten sollten. Die Liste hängt schon offen­sichtlich seit einigen Tagen, denn es ist nur

noch genau eine Position offen: Schokofrüchte. Ich trage mich pflicht­be­wusst ein und überlege, warum sich wohl die anderen Eltern nicht darauf gestürzt haben, so etwas Simples wie Schokofrüchte vorzu­be­reiten? Ich kaufe Früchte und mehrere Tafeln Schokolade, auch in der veganen Variante. Dieses Jahr gehört der Fasching uns!

Am Nachmittag vor der Faschingsparty fange ich mit dem Obst an… Nach relativ kurzer Zeit wird mir klar, warum sich niemand für die Schokofrüchte einge­tragen hat. Alles in der Küche ist bedeckt mit Schokolade – bis auf die Früchte, denn nur darauf will die geschmolzene Masse partout nicht haften bleiben. Ich versuche das Fehlen der Schokolade auf Früchten mit bunten Streuseln zu bedecken.

Schokofrüchte in der Vollmilch- und in der veganen Schokolade

Am Tag der Party wacht Emil mit Fieber auf und meint: „Mama, ich kann nicht in die Kita. Ich habe Bakterien!“. Er bleibt zu Hause. Ich fahre zur Kita ohne Kind, mit einem Teller der wenigen Schokofrüchte, die man als vorzeigbar einstufen konnte. Ich wette aber, dass sie nicht nur bei Eltern der Wickelkinder ganz bestimmte Konnotationen hervor­rufen würden. Ich fahre zur Kita auch, weil heute Punkt um 8:00 das Elterngespräch statt­finden soll. An der Tür begrüßt mich ein freudiges, buntes Volk – ein FBI-Agent, ein Ninja, eine Hexe… Und die Leitern, die mich überrascht ansieht: „Elterngespräch? Den Termin haben wir doch für morgen verab­redet!“.

Fasching ist einfach NICHT MEIN DING!

Und heute: Mutterwärme

Mama, mir ist kalt!”, sagt der fiebernde Emil.

Leg dich doch auf die Couch unter die warme Decke”, schlägt Mama vor.

Nein, die Couch ist kalt. Die Decke ist auch kalt. Alles ist kalt! Du bist das einzigste Warme hier! Deswegen muss ich jetzt mit dir kuscheln.” Emil kuschelt sich an die Mama und ihr Herz schmilzt, wahrscheinlich vor Wärme.Mutterwärme

4770 Mahlzeiten — Gut gemacht! Was Eltern richtig machen.

Dieser Beitrag ist ein Teil der Blogparade #gut gemacht von Mama on the Rocks. Hier könnt ihr nachlesen, was die anderen Elternblogger zu diesem Thema schreiben.

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4770 Mahlzeiten. Ungefähr so viele Mahlzeiten haben wir unserer bald 3-jährigen Tochter serviert. Manche hat Papa zubereitet, viele wurden von Dirk Rossman, Klaus Hipp oder deren Küchengehilfen gekocht, die meisten wurden von mir aufge­tischt. Dazu kommt noch: 11 Monate lang war ich die Mahlzeit, denn in der Stillzeit wurde für den Großteil der Mahlzeiten mein Körper direkt angezapft. Bei unserem 4,5 Jahre alten Sohn haben wir die Berechnungen wegen der zu vielen Variablen sein lassen (Krippe, Kita, Abwesenheiten in der Kita wegen Krankheiten etc).

Also 4770. Eine beein­dru­ckende Zahl, wenn man bedenkt, dass weder ich noch Papa eine Kochausbildung absol­viert haben und auch nicht im Catering-Bereich tätig sind. Wir sind einfach nur Eltern – und es ist keine großartige Leistung, dass man den eigenen Nachwuchs mit Nahrung versorgt. Es ist eine Selbstverständlichkeit.

Haushalt mit Kindern

Das bisschen Haushalt macht… die unsichtbare Hand.

In diesem Beitrag möchte ich all die Selbstverständlichkeiten würdigen, die erst sichtbar werden, wenn etwas nicht funktio­niert. Sachen, die alle für so selbst­ver­ständlich halten, dass man manchmal den Eindruck gewinnt, sie würden sich von alleine machen oder von einer unsicht­baren Hand verrichtet werden. Sachen, die kaum angesprochen werden. Oder habt ihr je gehört:

Hey, deine Kinder haben schon wieder saubere Klamotten an!“, oder auch:

Mensch, deine Kleinen tragen heute der Jahreszeit und dem Wetter angepasste Kleidung und wieder in der richtigen Größe!“,

Wie schaffst du das bloß, deinen Kids jeden Tag den momen­tanen Vorlieben und dem aktuellen Entwicklungsstand der Mundmotorik entspre­chende Brotzeit mitzu­geben?“,

Schon wieder hast du recht­zeitig die Sonnenmütze/ passende Hausschuhe / Wechselkleidung / 5 € für den Dampferausflug / xxx / in die Kita gebracht“,

Und der Fußboden ist bei dir schon wieder sauber!“.

Kleidung, Schuhe besorgen, Eincremen, Baden, Haare und Fingernägel schneiden, Zähne putzen, die Wohnung aufräumen, Brot und Klopapier kaufen… Die Liste kennt ihr alle! Sie besteht aus unzäh­ligen Kleinigkeiten, die an sich nicht so drama­tisch sind aber die Menge macht es!

Ist das Kind, wie unsere Tochter behindert, sind die Selbstverständlichkeiten nicht mehr so selbst­ver­ständlich und kosten noch mehr Kraft als sonst. Je stärker betroffen das Kind ist, desto mehr Energie braucht man für die kleinsten Alltagsverrichtungen. Denn unsere Tochter beschäftigt sich mit Sachen, die im Leben essen­ziell sind: Liebe, Kuscheln, Licht und Materie, Philosophie und Gummibärchen. Der Alltag ist nicht ihre Stärke. Was sie selbst dazu sagt, könnt ihr in dem Beitrag Folter des Alltags lesen.

Es kostet unendlich viel Kraft einen Menschen (behindert oder nicht) auf seiner Reise von einer befruch­teten Eizelle zum Erwachsenen tagtäglich zu begleiten und mit diversen Selbstverständlichkeiten zu versorgen.

Alltag mit KIndern

Am besten, wenn Kinder im Haushalt mithelfen!

Und wenn man dann ganz unpäd­ago­gisch genervt ist, wenn das Kind eine Mahlzeit verweigert, weil es unter den gewünschten Nudeln plötzlich ein Blatt Kresse entdeckt hat („Ih, grün liebe ich nicht“), fühlt man sich nicht gleich mies sondern denkt sich:

Gut gemacht, unsichtbare Hand!

Und heute: Krankheitswelle

Grippewelle im Haus mit Angelman Syndrom

Während die Krankheitswelle über die Familie rollt, setzt Mama den aussichts­losen Kampf gegen Viren und Bakterien fort und denkt viel über den Weltuntergang nach. Sie wünscht sich in der Waschmachine würde sich endlich ein Schwarzes Loch bilden, in das „Materie nur hinein­fallen, aber nicht wieder hinaus­ge­langen kann“.

Die Liebe zur Literatur — Lesen mit allen Sinnen

Literatur hat einen wirklich hohen Unterhaltungswert – und zwar unabhängig vom litera­ri­schen Genre sowie vom Phänotyp des Lesers. Als ein Angel (also Kind mit Angelman Syndrom) kann ich euch sagen, in ausnahmslos jedem Buch findet man etwas Spannendes. Jedes Buch ist anders: Softcover, Hardcover, auf Kreidepapier und ultra­dünnem Papier der Telefonbücher gedruckt, mit einem Umschlag, mit Folien, mit einem Merkband, porös oder glatt. Es gibt Bücher, die nach Altpapier und jene, die nach chine­si­scher Industrie riechen… Es gibt dünne Bücher und dicke Bücher – manche, wie die von meinem Papa, mit bis zu 1200 Seiten! 1200 Seiten pures Vergnügen… Einfach Wahnsinn! Da eröffnen sich Welten!

ein Kind mit Angelman Syndrom liest

Ihr müsst wissen, selbst wenn es in einem Buch um die Erläuterung von chemi­schen Verbindungen, die für Fußgeruch verant­wortlich sind geht, bedeutet für einen Angel jede Seite ein einzig­ar­tiges Abenteuer. Denn anders als der Durchschnittsbürger lesen wir mit allen Sinnen. Wir spüren wie sich das Papier auf der Haut anfühlt und ertasten es mit unserem Mund. Wir hören, wie die Seiten des parti­ku­lären Buches knistern und was für Geräusche sie machen, wenn man sie zerreißt. Wie es kitzelt, wenn man sich mit den vergilbten Seiten der Blechtrommel ausein­an­der­setzt. Es gibt so viele Wege Literatur zu genießen!

Kinder mit Behinderung und Literatur

Ein von Hela angele­senes Buch

Schade, dass die Durchschnittsbürger das noch nicht verstanden haben. Während wir Bücher mit Leib und Seele genießen, wollen die Meisten sie einfach nur halten und anglotzen. Ich schwöre es euch, das sieht total wider­na­türlich aus. Neulich fuhr ich mit meiner Mama S-Bahn. Gegenüber von uns saß ein Mann und las ein Buch. Das war sehr, sehr merkwürdig. Er starrte stumpf­sinnig einfach einige Minuten auf jede Seite ohne irgendein Lebenszeichen von sich zu geben. Ich war froh, dass er noch atmete. Dann lutschte er seinen Finger ab, blätterte damit die Seite um und glotzte dann wieder auf die nächste Seite. Dabei bewegten sich seine Augäpfel sehr schnell, als würde ein unsicht­barer Zug über die Seiten fahren. Wer weiß, vielleicht stand er unter Drogen. Jedenfalls fand ich sein Verhalten sehr bedenklich. Worauf glotze er so? Und warum um Himmels willen lutscht man den Finger ab, wo man doch direkt die Seite ablut­schen könnte? Und dann auf einmal fing er an, laut zu lachen: „Ha, ha, ha…“! Würde ich einfach so loslachen, würden alle plötzlich ganz verlegen aus dem Fenster schauen oder ich und meine Mama würden mitleidige Blicke ernten. Bei diesem Mann aber fanden das alle vollkommen in Ordnung. Als wäre das die normalste Sache auf der Welt. Dieses Ereignis habe ich mir gut gemerkt. Es hat meine Liebe zur Literatur auf das nächste Level gehoben. Mit einem Buch in der Hand kann man mehr machen, als ohne. Literatur öffnet viele Türen im Leben.

Kinder lesen trotz Behinderung

Lesen mit allen Sinnen

Es gibt dreierlei Arten Leser; eine, die ohne Urteile genießt, eine dritte, die ohne zu genießen urteilt, die mittlere, die genießend urteilt und urteilend genießt (…). Goethe

Ich wünsche euch allen viel Spaß beim Lesen!

Hela

Diesen Beitrag möchte ich Magota widmen — einer world-wide-web-berühmten Bloggerin, die mit ihrem Literaturblog meine Mama nach einer langen Pause wieder zum Lesen gebracht hat.

Windelgeflüster

Mama beim Wickeln. Emil sitzt daneben, reagiert aber auf Mamas Fragen nicht. Mama fragt noch mal lauter nach und kriegt die Antwort:

Mama, es stinkt hier so, dass ich nichts hören kann!”

Wickeln ist nichts für schwache Nerven.

Wickeln

Windel und Licht — eine der ersten Kunstinstallationen von Emil aus dem Jahr 2016.

Und heute: Unterstützte Kommunikation

besorgt uns Emil das erste Gerät zur Unterstützen Kommunikation mit Hela. Er entwirft eine Maschine, die seine Schwester zum Sprechen (und auch Laufen) bringen soll. Der Konstrukteur erklärt: “Wir setzten sie einfach auf das rote Feld und erklären ihr alles: wie sie sprechen soll und wie sie laufen soll. Und dann kann sie es!”. Bestellungen für weitere maßge­fer­tigte Geräte werden ab sofort angenommen. Für ausste­hende Erfolge übernehmen wir aller­dings keine Haftung.